Israel, du bist nicht allein
Donnerstag, 6. Oktober 2011
Israelische Autofahrerkultur
Die Israelis haben einen schlechten Geschmack, was Autos angeht. 90% der Karrossen hier sind asiatischer oder französischer Herkunft. Man muss allerdings dazu sagen, dass die Autos hier, wie alles andere auch, sehr teuer sind. Für einen Mirca lässt man hier ca.20.000 € liegen (für die Frauen: in Deutschland gibts den ab 10.000 €). Auch die Spritpreise hier übersteigen die unseren um nochmal ca.10Cent/Liter.
Fast jedes Auto hier hat 2-3 Schrammen (was einen bei dem Fahrstil hier nicht wundern darf). Die stören hier aber irgendwie auch niemanden. Das Auto ist ein Gebrauchsgegenstand und wird auch so behandelt. Da sieht man mal, was für ein hoher Wert das Auto in (Süd-)Deutschland ist, und wie es für viele immer noch ein Statussymbol ist. Das gibt es hier fast gar nicht.
Ebenfalls sehr interessant sind die Öffis (öffentliche Verkehrsmittel). Es gibt fast nur Busse. Schienenfahrzeuge sind hier irgendwie nicht so popular. Straßenbahnen und U-Bahnen gibt es, bis auf Jerusalem, überhaupt nicht. Zwischen den großen Städten gibt es zwar einige Bahnlinien, aber das Schienennetz ist hier bei weitem nicht so eng wie bei uns.
Das der Busse dafür um so enger. Es gibt wirklich sehr viele Buslinien und die fahren auch so ziemlich überall hin. Allgemein wird hier mehr Bus gefahren als bei uns, vermutlich auch weil Autofahren hier eben so teuer ist. Die Bustickets sind hier relativ günstig.
Es gibt zum Einen die normalen Buslinien, die durch die Städte fahren. Allerdings nicht so schön wie bei uns immer die Hauptstraßen entlang, sondern kreuzundquer durch alle Sträßchen, durch die sie irgendwie noch durchpassen. Das ist oft so knapp, dass man glaub es kracht gleich. Aber bisher ist noch nix passiert:). Allerdings kratzen die Busfahrer hier öfters mal den Bürgersteig, was zu einem recht hohen Reifenverschleiß führen muss.
Zum Anderen gibt es hier noch solche Intercitybüsse, mit denen man durch das ganze Land fahren kann. Mit denen kommt man auch ziemlich schnell und günstig von Stadt zu Stadt (z.B. für 4€ in 50 Minuten von hier nach Jerusalem -> 60km).
Die Busse hier sehen teilweise so aus, wie die, die bei uns vor 20 Jahren ausrangiergt wurden. Wenn ich jedoch daran denke, dass diese Busse, wenn sie hier nicht mehr fahren dürfen, noch 20 weitere Jahre bei unseren afrikanischen Freunden in Kenia und Tansania weitergefahren werden, kann ich mich nicht beklagen:).
Zusätzlich zu den Bussen, gibt es noch die sogenannten "Scheruts". Das sind Sammeltaxis, in denen ca.10 Leute Platz finden und die auch so ziemlich überall hinfahren. Der Vorteil von ihnen ist, dass sie deutlich schneller sind als die normalen Linienbusse und dass sie dich nicht nur an den Haltestellen rauslassen. Dafür sind sie ein bisschen teurer, aber immer noch bezahlbar.
Ganz wichtig für den Busverkehr, sind die Central Bus Stations. Davon hat jede Stadt hier 1-2. Dort halten wirklich alle Busse und auch die Scheruts. Wenn gerade nicht genug Platz für alle an der Haltestelle ist, hält man halt auch man in der zweiten oder dritten Reihe, sodass der dahinterliegende Verkehr teilweise zum erliegen kommt. Ist immer wieder lustig die darauffolgenden Hupkonzerte zu hören:).
Leider ist unsere örtliche CBS ne halbe Stunde (zu Fuß) entfernt, sodass wir hier ziemlich viel am Laufen sind, um uns das Ticket dorthin zu sparen -> Schwaben4Life!!!
Der Fahrstil hier ist deutlich aggressiver und asozialer als bei uns. Die wichtigste Verkehrsregel ist: Wer bremst verliert! oder: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst! Vorfahrt gewähren gibt es hier ziemlich selten. Wenn du an einer Kreuzung stehen bleibst, guckt der andere blöd und fährt, egal ob er Vorfahrt hat oder nicht.
Flo durfte eine ganz besondere Erfahrung mit einem israelischen Taxi machen: Der Fahrer fuhr gerade die Auffahrt auf den Highway (Autobahn) hoch, als er bemerkte, dass er sich verfahren hatte. Daraufhin hielt er einfach an, legte den Rückwärtsgang ein und fuhr die Auffahrt ganz gemütlich wieder zurück, während die nachkommenden Autos, wild hupten und schimpften:).
Die Hupe wird hier allgemein recht oft und gern verwendet. In Deutschland bedeutet hupen ja immer gleich: Hey du ...., pass doch auf du .....!!! Hier ist das ganz anders. Hupen tut man einfach um freundlich auf sich aufmerksam zu machen, um zu sagen, "Achtung, ich komme!" oder "Vorsichtig, aufpassen!" oder bei einem Scherut auch, "Hey du, willst du mitfahren?!".
So, ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Überblick über die israelische Verkehrslage verschaffen.
Liebe Grüße und gute Fahrt
Matthias
Montag, 26. September 2011
Zwei falsche Schwaben im Irrenhaus
In Anlehnung an den Blognamen unserer rumänischen Kollegen (http://gabdael.blogspot.com/) haben wir unserem ersten Artikel diesen Titel gegeben. Das klingt zugegebenermaßen zunächst einmal sehr seltsam, deshalb werden wir ihn im Folgenden genauer erläutern.
Zwei falsche Schwaben: Wie einige von euch bereits wissen dürften, ist Matze geborener Frankfurter und erst später ins wunderbare Schwabenland ausgewandert. Was viele von euch noch nicht wissen, ist das Florian zu 25% Amerikaner ist. Genauere Infos dazu können direkt bei ihm erfragt werden.
Im Irrenhaus: Diese Formulierung bezieht sich auf unsere Arbeitsstelle. Euch ist ja inzwischen bekannt, dass wir hier in einer Einrichtung für Autisten arbeiten. Allerdings wurde uns vorher gesagt, dass es sich um eine Art Hotel handelt, in dem wir mit Kindern irgendein Programm machen sollten. Daraus wurde aber nichts. Das „Hotel“ ist eher ein Hostel (aber auch nur nach dem hiesigen Standard) und es handelt sich nicht um Kinder, sondern um Erwachsene Menschen zwischen 17 und 40. Es sind insgesamt 24 „friends“ und jeder von ihnen hat so seine ganz eigene Macke. Der Eine rennt bewusst mit dem Kopf gegen die Wand, um zu seinem geliebten Doktor zu kommen, während der andere alles nur irgendwie Essbare in sich reinstopft (egal ob es vom Fußboden oder aus dem Mülleimer kommt) und der Dritte mit irgendeinem Kabel auf seinen eigenen Zeigefinger einschlägt und dabei echter als eine Ziege meckert. Dies sind jedoch nur ein paar wenige Beispiele. Natürlich gibt es auch noch die, die völlig grundlos auf ihre Mitbewohner losgehen und die, die sich selbst in den Arm beißen, sodass dieser vor lauter Blutergüssen eher blau als rosa ist.
Hört sich vielleicht teilweise etwas hart an, aber wir haben hier auch unseren Spaß mit den friends. Ihr Verhalten und Benehmen, die Art wie sie versuchen sich auszudrücken ohne zu reden, . . . wir haben echt auch viel zu lachen. Und wir haben sie auch schon echt in unser Herz geschlossen.
Wie ihr sehen könnt ist unsere Arbeit also sehr interessant und abwechslungsreich.
Das trifft auch auf unsere Arbeitszeiten zu. Die sind immer entweder morgens von 6 – 8 Uhr, oder nachmittags von 16 – 22 Uhr. Manchmal auch beides. Am Wochenende, das hier übrigens einen Tag nach vorne verschoben ist, gibt es auch die Vormittagsschicht von 8 – 15 Uhr. Meistens haben wir zwei freie Tage pro Woche. Wochenende und Feiertage gibt’s für uns net.
Die Bezahlung ist relativ gut. Wir bekommen umgerechnet 240 Euro im Monat und eine warm bezahlte Wohnung. Auch können wir meistens in der Einrichtung essen. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten, aufgrund der Steuern, hier auch recht hoch.
Soviel mal zu unserer Einrichtung. Ich hoffe ihr habt dadurch einen kleinen Einblick in unsere Arbeit bekommen.
Liebe Grüße
Matthias
Sonntag, 18. September 2011
SHALOM
Nun ist es endlich soweit, der gemeinsame Blog von Flo und Matze geht an den Start. Hier werdet ihr in den kommenden Monaten eine Menge Infos zu unserem IJFD in Israel finden. Wir haben uns dafür entscheiden sowohl Rundmails zu schreiben, als auch diesen Blog zu führen. Während wir in den Rundmails immer allemöglichen aktuellen Infos über uns schreiben werden, werdet ihr hier konkrete Artikel zu ganz verschieden Themen wie beispielsweise der Arbeit, israelischer Hygiene oder israelischer Autofahrerkultur finden.
Wir freun uns über jeden Besucher und ganz besonders über jeden Kommentar von euch.
Liebe Grüße aus dem heiligen Land
eure beiden schwäbischen Israeliten